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Weniger Unternehmensnachfolgen als gemeinhin angenommen

Datum 09.12.2021

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn identifiziert mehrere Aspekte.

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© IfM

In der öffentlichen Diskussion um das Thema Unternehmensnachfolge wird von einer größeren Anzahl an betroffenen Unternehmen ausgegangen als tatsächlich von der Nachfolgefrage berührt sind, so das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn in seinem Policy Brief "Unternehmertum im Fokus": Dies hat mit einer unbefriedigenden Datenlage, aber auch mit einer Reihe von Fehleinschätzungen zu tun. In einer dynamischen Wettbewerbswirtschaft verbleibt nur eine Minderheit an Unternehmen lange genug am Markt, dass sich ihnen die Nachfolgefrage stellt. Und die Unternehmen der meisten Soloselbstständigen eignen sich nicht für eine Übergabe.

Seit Jahren wird lebhaft darüber diskutiert, wie viele der rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland vor dem Generationenwechsel stehen und wie viele tatsächlich übergeben werden. Dass diese Diskussion zu keinem Ende kommt, liegt u. a. an einer unzulänglichen Datenlage. Amtliche Daten gibt es nicht und die Ergebnisse von Unternehmensbefragungen gehen teils weit auseinander.

Das IfM Bonn schätzt mittels eines statistischen Verfahrens, dass zwischen 2018 und 2022 jährlich rund 30.000 Unternehmen übergeben werden. Dies sind weniger als 1 % aller Unternehmen. Die KfW-Bankengruppe wies auf Basis ihres Mittelstandspanels für die Jahre 2020/21 rund 76.000 Nachfolgen pro Jahr aus. Dies entspricht rund 2 % der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro.

Nicht dauerhaft am Markt

Die Nachfolgefrage stellt sich offenkundig in relativ wenigen Unternehmen. Dies hat verschiedene Gründe, ein wesentlicher ist die kurze Lebenszeit vieler Unternehmen. Das IfM hat ermittelt, dass von den Gründungsunternehmen beispielsweise des Jahres 2013 nach 5 Jahren nur noch 37 % am Markt aktiv waren. In Großbritannien existierten nach 15 Jahren noch knapp 11 % der im Jahr 1998 gegründeten Unternehmen mit mindestens einem Beschäftigten.

Mehr Soloselbstständige

Ein weiterer wesentlicher Grund ist die stetige Zunahme der Soloselbstständigen über viele Jahre hinweg. In 2019 hatte mehr als die Hälfte der Selbstständigen keine Beschäftigten. Auch wenn das Vorhandensein von Personal keine zwingende Voraussetzung für die Übergabefähigkeit eines Unternehmens ist, stellt sich grundsätzlich die Frage, was das Unternehmen eines Soloselbstständigen ausmacht und was davon an Dritte weitergegeben werden kann. Gerade im Dienstleistungssektor, in dem die Soloselbstständigen größtenteils tätig sind, hängt das Unternehmen an der Unternehmerperson, die aber nun ausscheidet.

Zum Download (PDF) des Policy Briefs.